news.wirtschaftsstrafrecht.de

29. August 2017

Durchführung des automatischen Informationsaustauschs steht bevor – Selbstanzeige (noch) nicht ausgeschlossen

Immer mehr Finanzplätze werden detaillierte Informationen über Kapitaleinkünfte automatisch austauschen. Die Durchführung des ersten Datenaustauschs wird am 30.09.2017 erfolgen. Eine Selbstanzeige ist bis dahin jedenfalls nicht per se ausgeschlossen.

Die Bundesrepublik Deutschland sowie zahlreiche andere Staaten haben sich darauf verständigt, durch gegenseitigen Informationsaustausch über Finanzkonten eine effektive Besteuerung sicherzustellen (Common Reporting Standard, kurz CRS sowie Gesetz zum automatischen Austausch von Informationen über Finanzkonten in Steuersachen). Durch den Standard verpflichten sich die Staaten, die vereinbarten Daten von Finanzinstituten zu erheben und regelmäßig automatisch auszutauschen.

Angeschlossen haben sich dem internationalen Standard die Mitgliedsländer der Europäischen Union, der G20, der OECD und weitere wichtige Finanzplätze. Die Finanzinstitute der teilnehmenden Staaten sind demnach verpflichtet, ihre Kunden auf deren Ansässigkeit und sich daraus ergebende Steuerpflichten hin zu überprüfen und die Daten über die Finanzkonten an den Ansässigkeitsstaat zu übermitteln. Der Austausch beginnt ab dem 30.09.2017 für die Besteuerungszeiträume ab 2016. Unter den am Austausch teilnehmenden Staaten finden sich auch solche, die bisher im Ruf einer „Steueroase“ standen, wie die British Virgin Islands oder Liechtenstein. Auch die Sonderrolle Österreichs in der EU, das bisher eine anonyme EU-Quellensteuer erhoben hat, endet mit dem neuen Standard.

Für Kapitalanleger im Ausland, die ihre Einkünfte in Deutschland bisher nicht versteuert haben, besteht dringender Handlungsbedarf. Eine strafbefreiende Selbstanzeige ist grundsätzlich möglich bis zur sogenannten „Tatentdeckung“ durch die Behörden. Bis zum 30.09.2017 liegt (jedenfalls mit Blick auf den Datenaustausch) keine Tatendeckung vor. Danach wird es eine Frage des Einzelfalles sein, ob bereits Tatentdeckung eingetreten ist. „Darauf sollte man es nicht ankommen lassen“, erläutert VBB-Steuerstrafrechtler Dr. Sebastian Beckschäfer. Auch jetzt sei eine individuelle Beratung zur Selbstanzeige geboten, da sich der Rechtszustand in den letzten Jahren deutlich verschärft habe. Für diejenigen, die die steuerliche Situation nicht geklärt haben, ist die Zeit zwar knapp. Aber noch bestehe eine gute Chance, die Selbstanzeigemöglichkeit zu nutzen. Nur diese bietet eine sichere Gewähr dafür, das Risiko von Geld- oder Freiheitsstrafen auszuschließen und das Auslandsvermögen zu legalisieren.

VBB bei Linkedin VBB bei Xing VBB Twitter

News-Archiv

Newsletter-Archiv